Googles AI Max: Das Wundermittel, das Ihr Budget verbrennt? 5 kritische Fakten, die jeder Werbetreibende kennen muss.
- Marcel Schmude
- 4 days ago
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Updated: 3 days ago
Der Hype um künstliche Intelligenz hat Google Ads fest im Griff. An vorderster Front steht AI Max – Googles neueste Lösung, die mehr Performance bei weniger Aufwand verspricht. Auf den ersten Blick klingt es wie die Antwort auf alle Gebete eines Werbetreibenden: ein intelligenter Autopilot, der neue Kunden findet und die Anzeigenerstellung automatisiert. Doch während das Marketingversprechen glänzt, birgt der Autopilot kostspielige Fallen und unerwartete Nebenwirkungen. Dieser Artikel deckt die 5 wichtigsten, überraschendsten und kritischsten Fakten auf, die Sie über AI Max wissen müssen, bevor Sie den Schalter umlegen und Ihr Budget riskieren.
1. Es ist keine neue Kampagne, sondern ein mächtiger Schalter (mit Nebenwirkungen)
Zunächst die wichtigste Klarstellung: AI Max ist kein neuer Kampagnentyp wie Performance Max oder eine klassische Suchkampagne. Es handelt sich vielmehr um eine Optimierungsebene, die Sie innerhalb einer bestehenden Suchkampagne über einen einfachen Ein-/Ausschalter in den Einstellungen aktivieren. Dieser Schalter setzt drei mächtige Kernkomponenten in Gang:
Suchbegriffsabgleich (Search Term Matching): Diese Funktion nutzt eine Kombination aus Google AI, Broad Match und sogenannter „keywordloser“ Technologie. Das Ziel ist es, Ihre Reichweite über die bestehenden Keywords hinaus zu erweitern und Anzeigen für relevante Suchanfragen auszuspielen, an die Sie selbst vielleicht nicht gedacht hätten.
Textanpassung (Text Customization): Dies ist im Grunde ein Rebranding der Funktion „automatisch erstellte Assets“. Dahinter verbirgt sich ein strategischer Schachzug von Google, ein älteres, oft misstrauisch beäugtes Feature unter dem neuen, attraktiveren KI-Banner neu zu verpacken. Das System generiert dynamisch Anzeigentitel und Beschreibungen basierend auf Inhalten von Ihren Landingpages, Texten aus anderen Anzeigen und Ihren Keywords.
Erweiterung der finalen URL (Final URL Expansion): Diese Funktion leitet Nutzer nicht starr auf die von Ihnen festgelegte URL, sondern auf die Zielseite Ihrer Website, die laut KI am relevantesten ist. Für erfahrene Werbetreibende ist das Prinzip bekannt: Es ist im Wesentlichen der gleiche Mechanismus, der auch bei dynamischen Suchanzeigen (DSAs) zum Einsatz kommt.
Die "Nebenwirkungen"
Die Aktivierung dieses Schalters kommt jedoch mit wichtigen Vorbehalten und Standardeinstellungen, die Werbetreibende kennen müssen:
Die Erweiterung der finalen URL ist standardmäßig aktiviert, sobald Sie AI Max einschalten.
Achtung: Selbst fixierte Anzeigentitel, die für die Markenbotschaft unerlässlich sind, können von der KI überschrieben werden. Dies ist ein erheblicher Kontrollverlust, der die kreative Konsistenz gefährden kann.
Die Aktivierung kann zu Fehlern bei API-Anfragen führen, da das Feature noch nicht vollständig in allen Tools integriert ist.
2. Der „Autopilot“ kann vom Kurs abkommen (und Ihr Geld mitnehmen)
Die KI verspricht, die besten Entscheidungen zu treffen, aber die Praxis zeigt, dass der Autopilot nicht immer auf Kurs bleibt. Die Genauigkeitsprobleme können zu erheblicher Budgetverschwendung führen, wenn man nicht genau hinsieht.
Praxistests aus der Branche liefern ernüchternde Beispiele für die Fehlschläge der KI:
Ein Möbelunternehmen, das ausschließlich in den USA hergestellte Produkte verkauft, stellte fest, dass AI Max Anzeigen für völlig irrelevante Suchbegriffe wie „home“ (ohne weiteren Kontext) ausspielte. Schlimmer noch: Die Anzeigen erschienen für den Suchbegriff „buy England furniture online“ – das genaue Gegenteil der anvisierten Zielgruppe.
Eine Testkampagne, die das Versprechen des „inkrementellen Wachstums“ überprüfen sollte, zeigte, dass 90 % der durch AI Max generierten Suchanfragen reine Markenbegriffe waren. Anstatt neue Kunden zu finden, bediente sich die KI bei bereits vorhandenem, leicht zu konvertierendem Traffic.
Diese Beispiele zeigen ein klares Muster: Unkontrolliert weicht die KI entweder auf extrem weit gefasste, irrelevante Begriffe („home“) aus oder sie wählt den einfachsten Weg zu einer Conversion, indem sie auf bereits vorhandenen Marken-Traffic zugreift – beides verhindert echtes, inkrementelles Wachstum.
Die oberflächliche Performance kann dabei trügerisch sein. Die Klickrate (CTR) der AI Max Kampagne lag im Test bei 18 %. Das klingt zunächst gut, insbesondere im Vergleich zu den 9 % CTR der regulären Non-Brand-Kampagnen im selben Konto. Wenn man jedoch bedenkt, dass 90 % des AI-Max-Traffics Markenbegriffe waren, wird die deutliche Unterperformance offensichtlich: Die spezialisierten Markenkampagnen erreichten im selben Zeitraum eine CTR von 36 %.
Ein Experte fasst die Tendenz der KI, den einfachsten Weg zu gehen, treffend zusammen:
"it's always going to go and look to find the easiest path of resistance And that's why it's really important that you're putting up guard rails... if you don't put those guardrails up there it will go for the easy option which is your branded traffic"
3. Weniger Kontrolle ist nicht für jeden ein Vorteil
Ein Produktmanager von Google beschreibt AI Max mit einer Analogie: Es sei wie eine „High-End-Kamera“ im Automatikmodus, die perfekte Bilder liefert, es Profis aber jederzeit erlaubt, manuell einzugreifen. Diese Analogie bildet den Kern der Debatte: Für wen ist der Automatikmodus ein Segen und wer muss wissen, welche manuellen Einstellungen er übersteuern muss?
Für bestimmte Nutzer kann der „Automatikmodus“ von AI Max eine sinnvolle Option sein. Dazu gehören Kleinunternehmer, lokale Dienstleister oder Marketing-Manager mit begrenzter Zeit. Für sie können die Zeitersparnis und die potenziell größere Reichweite auf mehreren Google-Plattformen echte Vorteile darstellen.
Demgegenüber stehen performance-orientierte Werbetreibende, die eine granulare Kontrolle über Budgets, Targeting und die kreative Ausgestaltung ihrer Anzeigen benötigen. Für sie sind der Mangel an manueller Steuerung und die „Transparenzlücken“ ein erhebliches Problem. Die entscheidende Herausforderung ist, zu wissen, wann und wie man eingreifen muss, was den vermeintlichen Vorteil der Einfachheit für Profis oft zunichtemacht.
4. Der richtige Einsatz ist entscheidend – Ignorieren Sie Googles Hauptempfehlung
Google empfiehlt, AI Max einfach in einer bestehenden, gut laufenden Suchkampagne zu aktivieren. Experten warnen jedoch eindringlich vor diesem Vorgehen. Wer AI Max blind in einer optimierten Kampagne aktiviert, riskiert, die gesamte Feinarbeit zunichtezumachen. Monate oder sogar Jahre an gesammelten Daten und Optimierungen für Smart-Bidding-Strategien wie tCPA oder tROAS können dadurch gestört oder entwertet werden.
Eine weitaus sicherere und strategischere Vorgehensweise wird empfohlen:
Richten Sie AI Max in einer komplett separaten Kampagne ein.
Fügen Sie alle Ihre aktuell profitablen Keywords aus Ihren anderen Kampagnen als negative Keywords zu dieser neuen AI Max-Kampagne hinzu.
Dieser Ansatz zwingt die KI, ihre Kernaufgabe zu erfüllen und ihren wahren Wert zu beweisen: die Entdeckung von echtem Neukundenpotenzial, anstatt sich die Lorbeeren für bereits optimierten Traffic zu sichern.
Als alternative Testmethode können Sie ein 50/50-Kampagnen-Experiment durchführen. Dabei wird der Traffic Ihrer bestehenden Kampagne aufgeteilt, sodass Sie die Leistung mit und ohne AI Max direkt vergleichen können, ohne Ihr gesamtes Budget zu riskieren.
5. Mehr Transparenz als bei PMax, aber Vorsicht ist geboten
Ein häufiger Kritikpunkt an Performance Max (PMax) war die mangelnde Transparenz – oft als „undurchsichtige Blackbox“ bezeichnet. Hier hat Google gelernt. Während PMax für das Full-Funnel-Marketing konzipiert ist und oft Produktfeeds nutzt, was es ideal für den E-Commerce macht, beginnt AI Max bei der Suchintention und expandiert von dort aus. Das macht es besser geeignet für dienstleistungsbasierte Unternehmen und die Lead-Generierung. Wichtiger noch: AI Max bietet deutlich mehr Kontroll- und Analysemöglichkeiten.
Google hat auf die Kritik reagiert und AI Max mit besseren Reporting-Funktionen ausgestattet, die mehr Einblick in die Leistung der KI geben:
Suchbegriffsbericht: Zeigt „AI Max“ als neuen Keyword-Optionstyp an und gibt an, ob der Treffer durch Broad Match oder die keywordlose Technologie zustande kam.
Bericht zu Landingpages: Hebt die Performance der von AI Max dynamisch ausgewählten Zielseiten hervor.
Asset-Bericht: Zeigt die Leistung der von der KI erstellten Anzeigentitel und Beschreibungen.
Trotz dieser verbesserten Berichte ist eine kontinuierliche Überwachung unerlässlich. Überprüfen Sie regelmäßig den Suchbegriffsbericht. Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit unpassende Begriffe finden, die Sie sofort als negative Keywords hinzufügen sollten, um Budgetverluste zu stoppen.
Fazit und Ausblick
AI Max ist ein potenziell mächtiges Werkzeug, aber in seinem aktuellen Zustand noch unausgereift. Es erfordert einen strategischen, vorsichtigen und kontrollierten Ansatz. Wer es einfach blind in bestehenden Kampagnen aktiviert, riskiert, hart erarbeitete Performance-Erfolge zunichte zumachen und Budget zu verbrennen.
Die Prognose ist jedoch klar: Das Tool lernt mit den Daten von Millionen von Werbetreibenden und wird sich wahrscheinlich innerhalb des nächsten Jahres erheblich verbessern. Bis dahin gilt: Testen Sie es, aber tun Sie es klug – in separaten Kampagnen und mit klaren Leitplanken.
Am Ende steht eine strategische Frage, die jeder für sich beantworten muss: Sind Sie bereit, ein Stück Kontrolle abzugeben, um potenziell unentdecktes Wachstum zu finden, oder ist ein bewährtes, manuell gesteuertes Setup für Ihr Unternehmen immer noch der sicherste Weg zum Erfolg?
Was denken Sie über AI Max für Suchkampagnen?
Ich lasse die Finger davon.
Sehr gut


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